Serbien leidet, wie andere Staaten auf der ganzen Welt unter den Folgen der Wirtschaftskrise. Das Land wurde, wie so viele andere in Osteuropa, mit in die weltweite Abwärtsspirale gerissen. Seit längerem versucht die Regierung der Lage Herr zu werden. Dabei erweist es sich als wenig hilfreich, dass sie aus einer derart heterogenen Koalition zusammen gesetzt ist.
Unter anderem verhandeln serbische Regierungsvertreter über neue Hilfen mit dem IWF. Im Kontext dieser Verhandlungen habe ich auf den Internetseiten der taz einen merkwürdigen Beitrag von Andrej Ivanji gefunden. Im Artikel „Serbien kurz vor Staatsbankrott. Geld für Kosovo-Anerkennung“ schreibt er über einen geradezu unglaublichen Gedanken, wie die Unabhängigkeit des Kosovos zu besiegeln sein könnte.
Unglaublich wegen der Idee die am Ende des Beitrags dazu präsentiert wird, und auch deshalb, weil ich dies in dieser Form nirgendwo anders gelesen habe. Dieser Beitrag (und einige Leserkommentare) hat dazu geführt, dass ich aus meinem Blog-Winterschlaf erwacht bin und meinerseits einen Kommentar verfasst habe, welchen ich auch an dieser Stelle nochmal präsentieren wollte:
Die interessanteste Frage zu diesem Artikel ist: Woher hat Herr Ivanji seine „Insider“-Kenntnisse bezüglich der USA und ihrer „IWF-Erpressungsidee“?
Dies scheint mir eher wieder eine von den bei Ivanji und seinem Kollegen Rathfelder üblichen „Räuberpistolen“ zu sein. Es lassen sich in Deutschland sicher kaum andere Journalisten finden, bei denen häufiger mit den berühmten „gesicherten Informationen aus dem Umfeld vom Umfeld vom…“ gearbeitet wird.
Es ist für mich schwer vorstellbar, dass es beim IWF oder auch in der US-Regierung Akteure gibt (..und das obwohl beiden Akteuren so einiges zuzutrauen ist…), die so naiv sind zu glauben auf diesem Weg eine derart komplizierte Frage dauerhaft lösen zu können. Wie stabil würde die Zukunft dieser Region sein, wenn sie auf einer derart plumpen Erpressung aufgebaut werden würde? Es gibt genug historische Beispiele die aufzeigen wohin ein solcher Lösungsweg über kurz oder lang wieder hinführen würde.
Aus meiner Sicht ist dieser offensichtliche Weg auch nicht nötig, da die Zeit eigentlich für das unabhängige Kosovo arbeitet und es subtilere Methoden zur Überzeugung gibt, bei denen keine Seite derart das Gesicht verliert.
Der Schlüssel dazu ist die Anhebung des Lebensstandard aller Menschen im Kosovo in allen Lebensbereichen. Ich glaube kaum, dass es sehr viele Menschen gibt, die etwas dagegen hätten in einem wirtschaftlich und auch demokratisch prosperierenden Staat Kosovo zu leben. Deshalb sollte sich die internationale Gemeinschaft und die kosovarische Regierung darauf konzentrieren endlich aktive Politik für alle wohlgesonnen Menschen im Kosovo zu machen, d.h. Arbeitsplätze schaffen, Bildungswesen reformieren etc.
Dies sind alles Dinge für die man, mit dem nötigen Rückhalt aus Europa und den USA und dem nötigen Engagement seitens der Politiker und Menschen im Kosovo keine Anerkennung durch irgendwelche Staaten braucht. Leider hab ich den Eindruck, dass es auch auf Seiten der albanischen Politiker im Kosovo und auch bei den internationalen Akteuren vor Ort noch viel mehr Leute gibt, die mit der gegenwärtigen Ungewißheit oder scheinbaren Ungewißheit sehr gut leben können. So lange dies so ist werden immer wieder solche Schein-Lösungen, wie die in diesem Artikel angedeutete, diskutiert werden.
Manchmal liefert der Status-quo für die Politiker aller an diesem Problem beteiligten Seiten auch eine bequeme Ausrede für unterbleibende Reformen. Journalisten sollten sich eher damit beschäftigen, dieser erstaunlichen Koalition der „Nichtstuer“ Beine zu machen, als ihr Spiel durch Spekulationen und Halbwahrheiten anzuheizen.