In meinem letzten Eintrag habe ich versucht einen Blick auf die Motive der Akteure der neuen serbischen Koalition zu werfen bzw. darzustellen wie andere diese Koalition und ihre Beweggründe für die Regierungsbildung sehen.
Heute habe ich auf der Seite der FAZ einen sehr interessanten Artikel von Michael Martens gefunden. Der Beitrag „Die Erben Djindjićs und Miloševićs“ ist ganz ähnlich wie die anderen vorgestellten Artikel und Kommentare überschrieben, der Inhalt ist aber weitaus informativer.
Im Gegensatz zu dem schon erwähnten Artikel in der taz, sind hier wirklich Fakten, Hintergründe und Interpretationen zur neuen Lage in Serbien angeführt. All dies schafft der Autor ohne den Rückgriff auf Allgemeinplätze und Polemik. Er geht dabei sowohl kritisch auf das Verhältnis der beiden Parteien (DS – SPS) in der Vergangenheit ein, als auch auf die Gedanken und Motive, welche sie heute in dieser (vor der Wahl) unerwarteten Koalition zusammengeführt haben. Martens berichtet auch über die ersten Reaktionen auf diese Regierungsbildung bei den Anhängern der beiden Parteien und bei der Opposition. Dieser Punkt ist aus meiner Sicht auch deshalb besonders interessant, weil im Falle der Sozialisten aus der Regierungsbeteiligung ein innerparteilicher Konflikt entstehen könnte. Ergebnis eines solchen Konflikts könnte eine Spaltung der Partei sein. Im besten Fall könnte daraus auch eine Situation entstehen in der eine neue und selbstkritischere Führungsriege an die Spitze der Partei gelangt. Letzteres wäre für die Aufarbeitung der Vergangenheit der SPS und Serbiens am wünschenswerten.
Der Artikel ist also in jeder Hinsicht gelungen, da es dem Autor gelingt die kritischen Punkte der neuen Situation hervorzuheben ohne das politische Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.